Urheberrechtsdebatte – Persönlicher Kommentar

Zwei Künstler haben sich geäussert, ich habe den Blogbeitrag von Pirat Denis Simonet seziert. Nun ziehe ich ein persönliches Fazit.

Ich halte das Urheberrecht an sich nicht für eine schlechte Sache, doch es ist schlicht veraltet. Jahrelanger Schutz eines Werks führt höchstens zu grosser Geldscheffelei beim Rechteinhaber, der gerade im Musikbusiness nicht unbedingt der Künstler selbst ist. Auch ich bin froh um den Schutz, denn auch ich veröffentliche meine Texte fast ausschliesslich im Internet und bin dankbar, wenn mich Menschen weiterempfehlen, „mich teilen“. Die Entkriminalisierung des Downloads ist ein gewagter Schritt, zugegeben, doch letztlich längst überfällig, wären doch die infrastrukturellen und finanziellen Aufwände für einen überwachenden Staatsapparat viel zu hoch.

Grundsätzlich können sich die Schweizer Künstler glücklich schätzen, dass sich Politiker wie Simonet überhaupt um die Kultur scheren. Denn die Aufgabe der Politiker ist es, Rahmenbedingungen für das Leben im Land zu schaffen und nicht optimale Vermarktungsmöglichkeiten für Künstler. Dennoch sollten beide Streitparteien den konstruktiven Dialog suchen.
Aber eben, die Kunst und Kultur ist letztlich der Knackpunkt in der ganzen verfahrenen Diskussion. Die Politik soll um einen zeitgemässen und angemessenen Schutz eines Werkes bemüht sein. Die Parteien müssen eine verträgliche, ausgewogene Lösung für die Problematik mit dem Internet finden.
Währenddessen sollen aber auch die Künstler nicht nur rumnörgeln, sondern proaktiv Ideen zur Selbstvermarktung finden. Das Internet bietet hier grossartige Möglichkeiten. Streaming sollte der geschundenen Musikindustrie Heilung bringen, aber profitieren tun ja doch wieder nur die Grossen. Von Spotify kann auf jeden Fall kein Künstler leben.
Jetzt ist es Zeit, liebe Künstler, Kreativität zu zeigen, sich auf die neue Umgebung einzustellen. Es wird immer schwarze Schafe geben, die gratis konsumieren. Das gibt es bei Tankstellen, Gemischtwarenläden und Blumen zum selber Schneiden. Im Internet funktioniert das Geben und Nehmen ohne Zwischenhändler, weshalb der Künstler auch von höheren Einnahmen profitieren könnte.
Es verwundert nicht, dass sich gerade die Major-Labels vor den Entwicklungen im digitalen Zeitalter fürchten. Es ist wie im Journalismus auch: Die traditionellen Verlagshäuser haben es bis heute nicht geschafft, ein vergleichbares Online-Produkt zu erstellen, obwohl mittlerweile alle – abgesehen von ein paar frustrierten Urzeitschreiberlingen – den Online-Journalismus als Zukunft bezeichnen. Hier wurde eine Haltestelle verschlafen oder man ist einfach zu früh ausgestiegen und versucht nun halbherzig und überhastet den fahrenden Zug wieder einzuholen.

Ein Liebhaber wird dennoch immer bereit sein, Geld für ein Kulturgut zu bezahlen. Das Gefühl eines Konzerts kann niemand downloaden. Die Erinnerung, genau diese Platte an dem Abend vom Künstler unterschreiben lassen haben, lässt sich nicht streamen. Die Kulturschaffenden sind nun angewiesen, den Konsumenten da zu packen, wo er es sollte: bei den Emotionen.
Heute gibt es die Möglichkeit, nicht nur bei Auftritten eine direkte Reaktion auf ein „Produkt“ zu bekommen. Nach dem Prinzip einer Kollekte geben die Konsumenten ein ehrliches, finanzielles Feedback, während man früher eine CD gekauft hat, die nicht so gut war, wie zu Beginn erhofft; das Geld floss, obwohl man mit dem Produkt nicht zufrieden war.

Bestimmt ist es kein einfacher Weg, weder in der Politik, noch als Künstler. Ein neues Zeitalter anzugehen erfordert Mut, Verständnis und Kompromissbereitschaft. Es muss ein Umdenken stattfinden. Das kann noch Generationen dauern. Auf jeden Fall ist es das gute Recht eines Künstlers, von seinem Werk leben zu können, wenn es ausreichend konsumiert wird. Es ist schwierig, jetzt einen konkreten Lösungsvorschlag zu präsentieren. Denn es gilt, dass jeder Fall gesondert betrachtet werden muss. Es gibt und wird kein Allheilsmittel geben.

Hier geht es zu einem Selbstversuch.

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