Urheberrechtsdebatte – Piraten-Analyse

Was denkt eigentlich ein Pirat über die ganze Diskussion um das Urheberrecht? Schliesslich ist die aufstrebende Partei ein wichtiger Agitator in der Debatte. Eine Blog-Analyse.

Denis Simonet, ehemaliger Piratenparteipräsident der Schweiz und nun deren Pressesprecher verwies mich für ein Statement auf seinen Blogeintrag Das Internet ist kein Nazi-Regime, in welchem er direkt auf einen polemischen Blogeintrag des Schweizer Rappers Gimma antwortet. Offen gibt der Pirat indes zu, selber Rap und Hip-Hop geladen zu haben, um sich einen groben Überblick über die Genres zu schaffen. Auch Gimma selbst ist in Simonets „Sammlung“ vertreten:

Die Lieder habe ich – wenn es hoch kommt – einmal gehört. Diese Musik ist mir allerdings kein Geld wert – ich bin eben eher der Metal- und Goa-Hörer.

Dass er die Musik damit entwerte, dementiert Simonet wenige Zeilen später mit folgenden Worten:

Versteh mich nicht falsch – ich will deine Arbeit keinesfalls abwerten. Doch ich kann einfach nichts damit anfangen. Kunst ist ja bekanntlich Geschmackssache.

Hier fragt man sich dann: Weshalb hat Herr Simonet die Songs dann nicht auf YouTube angehört? Dabei hätte er doch den Archivierungsaufwand und den Speicherplatzverbrauch vermeiden können.

Was ist legal – was ist illegal?

Filesharing wird es immer geben. Diese Tatsache zu leugnen wäre Realitätsverlust oder -verdrängung. Das Internet bietet den Künstlern sicherlich eine immense Bandbreite an neuen Entfaltungsmöglichkeiten. Die Kreativität ist durch die globale Freiheit des Word Wide Webs kaum mehr an räumliche Begrenzung gebunden.
Das Urheberrecht in seiner jetztigen Form ist unweigerlich veraltet und muss angepasst werden. Das fordert Simonet ebenfalls. Abgeschafft will er es dennoch nicht sehen. Er plädiert viel mehr für offene Plattformen wie Wikipedia oder Open Source-Software. Gut und recht, denn ein solches System funktioniert ja auch, wie man an der Online-Enzyklopädie oder Linux hervorragend sehen kann. Ein soziales Verhalten und Ausgewogenheit zwischen Geben und Nehmen sich ohne Zweifel schön und wünschenswert.
Weiter beschreibt Simonet, dass Plattformen wie kino.to immer illegal sein müssen. Profitorientierung sei kein Anlass um Kultur zu teilen. Da hat er Recht. Gleichzeitig streicht er auch die Problemstellungen heraus:

Stichworte kino.to und MegaUpload. Diese haben viel Geld mit der Arbeit anderer verdient. Das ist auch für mein Empfinden falsch und daneben. Ein modernes Urheberrecht sollte haargenau solche Plattformen angehen. kino.to muss immer illegal sein und es muss Möglichkeiten geben, das auch durchsetzen zu können. Es gibt dabei zwei Knacknüsse: Ab wann steht kommerzielles Interesse hinter der Kopie? Sprich: Wie unterscheidet man zwischen privater und kommerzieller Verwendung? Und wie setzt man das durch?

Lösungen

Wer hier einen politischen Lösungsansatz erwartet, wird enttäuscht. Scheinbar hat auch die Piratenpartei keine konkreten Vorschläge parat. Lediglich wird aus dem Positionspapier zitiert:

Der Schutz geistiger Werke für die Gemeinschaft kann sich nur legitimieren, indem sie geistige Werke in ausreichender Anzahl und Qualität der Allgemeinheit zugänglich macht. Jedes geistige Werk enthält inhärent die Schöpfung anderer, daher hat jeder Urheber ein Interesse an der Begrenztheit dieses Monopols. Der Schutz geistiger Werke muss sich daher sowohl in Zeit, als auch im Umfang zurückhalten.

Es geht also nur um die Dauer des Schutzes für geistiges Eigentum, die Anpassung des Urheberrechts.

Das schwierige Kind Kultur

Die Frage bleibt dennoch: Wie lässt sich das auf die Kultur übertragen?
Denn an einer Tauschplattform verdient ein Künstler ja nichts. Er liefert, andere konsumieren. Funktioniert eine Bezahlung auf freiwilliger Basis wie es die Band Radiohead mit ihrem Album In Rainbows gemacht haben? Leider gibt es zu diesem Experiment keine eindeutigen Auswertungen.
Auch Denis Simonet ist eine vielfältige Kultur wichtig und erhaltenswert. Gegeneinander kommt man allerdings nicht weiter, wie er richtig konstatiert. Die Kulturschaffenden sind indes genauso gefordert, Möglichkeiten der Verbreitung und Entlöhnung ihrer Arbeit zu entdecken.

Mit dem Internet ist der Zugang zu den Fans leichter denn je. Das kann man für sich nutzen. Das muss man für sich nutzen, wenn man weiterhin erfolgreich sein will. Die CD ist out.

Bild: zVg

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